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 Wie Deutschland seine Wölfe verwaltet

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Puck
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BeitragThema: Wie Deutschland seine Wölfe verwaltet   Mo Apr 02 2012, 23:05


Skurrile Bürokratie: In ganz Deutschland breitet sich der Wolf aus. Und zwar ungefragt und ohne amtliche Genehmigung. Deshalb müssen die Behörden nachrüsten und "Wolfsmanagementpläne" aufstellen.
In diesen Tagen wird die nächste Generation geboren. Im Januar und Februar war Paarungszeit bei den Wölfen. Wie bei den Hunden dauert ihre Trächtigkeit 63 Tage. Im sandigen Boden Brandenburgs graben die Wolfsmütter tiefe Höhlen, oft unter entwurzelten Bäumen, in Dünen und Erdabbrüchen. Dort bringen sie die blinden, meerschweinchengroßen Welpen zur Welt, fünf, sechs, es können auch mehr sein.

Etwa vier Wochen nach der Geburt verlassen die Jungen zum ersten Mal den Bau. Die Wolfsbeauftragten des Landes Brandenburg haben nun die Chance, sich ein Bild zu machen vom diesjährigen Nachwuchs bei den Einwanderern, die offenbar beschlossen haben zu bleiben. Dann geht das Fährtenlesen los.

Fotofallen werden aufgestellt und alle Anzeichen für die Anwesenheit von Wölfen wie Kot, Haare oder die Überreste gerissener Beutetiere genau registriert. Durch DNA-Analysen lassen sich Erkenntnisse über die Verwandtschaftsverhältnisse bei den Wölfen gewinnen. Das ist wichtig, um den Status einer Population beurteilen zu können, deren Vitalität auch von ihrer genetischen Vielfalt abhängig ist.

Der neue „Wolfsmanagementplan“

Das Umweltministerium in Potsdam schätzt den Brandenburger Wolfsbestand auf 40 bis 50 Tiere. Sie konzentrieren sich im Süden des Landes. Nachgewiesen sind fünf Rudel, also Paare mit ihrem Nachwuchs. Außerdem gibt es drei „kinderlose“ Paare, die aber in diesem Jahr Eltern geworden sein könnten, und einige territoriale Einzelwölfe. Das sind Rüden oder Fähen, die ein Revier besetzt haben und auf einen Partner warten.

An den Grenzen zu Sachsen und Sachsen-Anhalt leben zwei weitere Rudel, deren Jagdgebiet länderübergreifend ist. Es könnte sein, dass in diesem Frühjahr 30 bis 40 oder noch mehr Welpen geboren werden. In den Jahren 2009 bis 2011 wurden in Brandenburg 31 Welpen nachgewiesen.

Ihr Ausbreitungsdrang bringt die Wölfe auch auf die Agenda der Landespolitik. Vergangene Woche lud Umweltministerin Anita Tack (Linke) Interessengruppen, Naturschutzverbände und Fachleute zu einem Gespräch über einen neuen Wolfsmanagementplan. Bis Ende des Jahres soll ein möglichst breiter Konsens über den Umgang mit dem Wolf hergestellt und ein verbindliches Regelwerk erstellt werden.

Alle Wölfe Brandenburgs stammen aus dem wölfischen „Quellgebiet“ in der sächsischen Lausitz, wo vor zwölf Jahren auf dem Truppenübungsplatz Muskauer Heide zum ersten Mal seit 150 Jahren wieder Wolfswelpen in Deutschland geboren wurden.

Die tierischen Einwanderer sind genau genommen Rückkehrer. Als von Mitte der 90er-Jahre an der in Polen bis dahin mit allen Mitteln bekämpfte Wolf einen gewissen Schutz genoss, wuchs die kleine westpolnische Population. Abwanderer suchten sich neue Reviere westlich der Oder.

Schon 70 Schafe getötet

Im Osten Sachsens und im Süden Brandenburgs haben sich die Wölfe fest etabliert. In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sind sie auf dem Vormarsch. Einzelne tauchten auch schon in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf. Es könnte sein, dass bald ein zweiter Zuwandererstrom aus den südeuropäischen Wolfsvorkommen über die Alpen, das Juragebirge und die Vogesen erkennbar wird.

Es gibt wenige Gebiete in Deutschland, in denen Wölfe nicht leben könnten. Sie brauchen keine „Wildnis“, noch nicht einmal Abstand von den Menschen. Genug Futter läuft in deutschen Wäldern herum. Und auch auf den Weiden steht für sie mancher Happen bereit.

Seit 2007, dem Jahr, in dem erstmals territoriale Wölfe in Brandenburg registriert wurden, fielen ihnen 240 Schafe, 37 Stück Damwild aus Gattern, vier Ziegen und drei Kälber zum Opfer. Allein im vergangenen Jahr rissen die Wölfe 70 Schafe.

In den Städten sehen viele im Wolf eine Art Ökoheiligen, mindestens einen Botschafter „unberührter“ Natur, was er definitiv nicht ist. Auf dem Land betrachtet man ihn weniger romantisch. Es ist keine leichte Aufgabe, die Konflikte um den Wolf zu „managen“.

Eine Option ist dabei ausgeschlossen: die der neuerlichen Ausrottung. Der europäische Wolf steht nach nationalem, europäischem und internationalem Recht unter Totalschutz.

Die Wolfseinwanderer vermehren sich

Der Forstwissenschaftler und Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky ist ein Urgestein der deutschen Wolfsszene. Schon 1994 war er als Mitarbeiter der Wildbiologischen Gesellschaft München an der Ausarbeitung des ersten Brandenburger Wolfsmanagement-Plans beteiligt, der mit 180 Seiten eher ein wissenschaftliches Gutachten als ein praktikabler Leitfaden war.

Damals waren vereinzelte Wolfszuwanderer aus Polen beobachtet worden, und die Biologen erwarteten, dass Brandenburg, in der Schorfheide oder im Unteren Odertal, zuerst die neue wölfische Landnahme erleben würde. Die Wölfe überlegten es sich anders und besiedelten zuerst Sachsen. Dort konnte Wotschikowsky nun seit mehr als zehn Jahren studieren, „wie sich eine größere Anzahl Wölfe in Deutschland benimmt“. Jetzt ist er „Schriftführer“ für das brandenburgische Management.

Es gelte, sagt er, die sächsischen Erfahrungen für Brandenburg fruchtbar zu machen. Der sächsische Managementplan regelt die Entschädigungen für Nutztierverluste, legt Standards für den Schutz von Weidetieren fest und hat ein System des „Monitoring“ etabliert, das es erlaubt, ziemlich genau die Entwicklung der Wolfspopulation und ihre Auswirkungen auf das Ökosystem zu verfolgen.

Dieses Monitoring sei in Brandenburg noch nicht ausreichend entwickelt, sagt Wotschikowsky. Es sei zum Beispiel nicht möglich, wie in Sachsen Wolfsgebiete abzugrenzen, innerhalb derer Nutztierhalter zum Herdenschutz verpflichtet werden und dafür Fördermittel erhalten könnten.

Zwei zentrale Streitfragen zeichnen sich ab. Die Oppositionsparteien CDU und FDP fordern, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen. In Sachsen soll das noch in diesem Jahr geschehen. Man will dadurch die Jäger stärker ins Wolfsmanagement einbinden. Jagen sollen sie den Wolf nicht. Aber er käme, so argumentiert das Dresdner Umweltministerium, in den Genuss der „Hegepflicht“. Die Jäger wären verpflichtet, sich am Wolfsschutz zu beteiligen.

Der Wolf, ein jagdbares Wild?

Naturschutzverbände und auch die Potsdamer Landesregierung lehnen das ab und sprechen von einem „falschen Signal“. Auch Wotschikowsky hält einen solchen Schritt für verfrüht. Ähnlich sieht es der Wolfsexperte des WWF, Janosch Arnold. Und auch der Brandenburger Jagdverband gibt sich in dieser Frage zurückhaltend. Insgeheim fürchten die Jäger wohl, dass die Jagdabgabe, die jeder beim Lösen des Jagdscheins entrichten muss, ins Wolfsmonitoring fließen könnte, wenn der Wolf rechtlich zum jagdbaren Wild würde.

Der zweite Konflikt entzündet sich am Modus der Entschädigungen. CDU und FDP fordern, Entschädigungen unabhängig davon zu gewähren, ob die Tierhalter ihre Herden ausreichend geschützt haben. Das wird von den meisten anderen Beteiligten als purer Populismus gewertet. Man müsse die Landwirte zum Schutz ihrer Herden verpflichten, sagt Markus Bathen, Wolfsexperte des Nabu. Ungeschützte Herden seien eine Einladung an die Wölfe. Eine Eskalation des Konflikts wäre programmiert.

Die Weidesaison beginnt jetzt. In den Wolfsbauen wächst hungriger Nachwuchs heran. Es wird Zeit, dass man sich in Brandenburg auf das verständigt, was man in der Landwirtschaft die „gute fachliche Praxis“ nennt. Ideologische Grabenkriege helfen weder den Wölfen noch denen, die von ihrer Anwesenheit direkt betroffen sind.
* Quelle: KLICK

GLG
Marion, Puck und Yukon

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Egal wie wenig Geld und Besitz du hast, einen Hund zu haben, macht dich reich!
(Louis Sabin)
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